Vom kleinen Sportclub zum grossen Fussballverein

Es ist in den Annalen nicht genau überliefert, seit wann in Rapperswil offiziell Fussball gespielt wird. Die ersten Versuche dürften zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgt sein. Damals hatte der neue Sport in der Schweiz Fuss gefasst. Bevor der fussballspielende Sportclub Rapperswil am 19. Oktober 1928 aus der Taufe gehoben wurde, hatte es mindestens drei weniger erfolgreiche Versuche von Vereinsgründungen gegeben. Vom ersten Verein gibt es lediglich die Information, dass er zu einem Gastspiel beim FC Lugano angetreten sei. Der zweite Fussballklub in Rapperswil trug den Namen Juventus und wurde von einigen ortsansässigen Amerikanern geführt. Gekickt wurde damals im Joner Wald. Als Spieler soll unter anderen der nachmalige Schweizer Nationalspieler Jean Haag im Einsatz gestanden haben. Dieser Verein existierte von 1911 bis 1919. 

Ein Jahr nach der Auflösung des Vereins Juventus Rapperswil kam es zu einem neuerlichen Anlauf. Als Präsident des dritten Rapperswiler Fussballvereins amtete Walter Mock. In der Mitgliederkartei waren Namen wie Diethelm, Mächler, Bauert, Nussli, Kaufmann, Brack, Mock, Tungi, Krähenmann, Feusi, Gattiker, Koch, Schnabel, Hofer, Ferret und Vestner auszumachen. Im Sommer 1923 bewerkstelligten die Rapperswiler den Gruppenmeistertitel. Danach setzten sie sich gegen Schönenwerd durch und bewerkstelligten den Aufstieg in die Serie Promotion. Auch führte dieser Verein bereits ein Juniorenteam. Fussball stand zu jener Zeit im Städtchen Rapperswil hoch im Kurs. Den Meisterschaftsspielen gegen die beliebten Nachbarn aus Rüti und Stäfa wohnten jeweils mehrere hundert Zuschauer bei. Abwechslungsweise umrahmten die Stadtmusik Rapperswil oder die Feldmusik Jona die Spiele auf dem Sportplatz Gartenstadt (im Eichfeld, bei der heutigen Trafo-Station SBB). Der dritte Fussballverein Rapperswil überlebte bis ins Jahr 1926, ehe finanzielle Probleme zur Aufgabe führten.

1. Mannschaft SC Rapperswil 1932. Stehend v.l.n.r.: Ernst Huber, Max Lattmann, Karl Ergensinger, Karl Valdi, Ernst Zollinger, Walter Küng, Karl Bruggmann, Jakob Kläusli. Kniend (hintere Reihe): Emil Egli, Max Ulmer, Arnold Berchtold, Ernst Scheidegger, Joseph Razek. (vorne): Emil Koch, Ernst Hofacher, Eugen Küry.

Freiwilliger Abstieg und lauter Auswärtsspiele

Der Fussball hatte sich in den 1920-er Jahren zu einem Volks- und Massensport entwickelt. Es verwunderte daher nicht, dass in Rapperswil im Herbst 1928 ein neuerlicher Versuch einer Vereinsgründung erfolgte. Auf Initiative von Heinrich Wieland und Josef Helbling wurde der anfänglich noch polysportive Interessen verfolgende Sportclub Rapperswil gegründet, der sich ab 1954 FC Rapperswil nannte und seit 1978 als FC Rapperswil-Jona bekannt ist. Als erster Präsident amtete Coiffeurmeister Louis Bühler-Wild. Weitere Gründungsmitglieder waren Rudolf Helbling, Heinrich Wieland, Josef Helbling, Max Lattmann, Max Schönenberger und Viktor Mozzi. Im Vergleich zu seinen Vorgängern stand der am 19. Oktober 1928 gegründete Verein von Beginn weg auf einem stabilen Fundament. Mit dem Aufstieg in die 3. Liga feierte er 1933 den ersten sportlichen Erfolg. Fünf Jahre später folgte der freiwillige Abstieg. Die ungewohnt früh angesetzten Sonntagsvormittagsspiele in der Region Zürich, die hohen Reisespesen, welche die jungen Fussballer selber tragen mussten, sowie die vielen Niederlagen führten zu diesem Entschluss. 

Zurück in der 4. Liga reichte es in der Saison 1938/39 zu einem vierten Tabellenschlussrang hinter Rüti ZH, Glarus und Schmerikon, ehe in der darauf folgenden Spielzeit bereits wieder an die Türe zur 3. Liga geklopft wurde. Der Kampf um den Gruppensieg ging schliesslich am grünen Tisch verloren. Rapperswil hatte zwar das Entscheidungsspiel um den Gruppensieg in Küsnacht gegen den FC Meilen verdient mit 1:0 gewonnen, musste hinterher aber eine Forfait-Niederlage in Kauf nehmen, da im vorangegangenen 4.-Liga-Meisterschaftsspiel zwischen Rapperswil I und Rapperswil II angeblich ein Spieler der 2. Mannschaft in der ersten mitgespielt haben soll. In der Saison 1940/41 scheiterte das Fanionteam des SCR erneut in einem Entscheidungsspiel um den Gruppensieg. Diesmal musste man sich dem Lokalrivalen Schmerikon beugen. Im Mai 1942 klappte es unter der Regie von Spielertrainer Max Schärer mit der ersehnten Rückkehr in die 3. Liga. 

Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs begann für den Verein eine schwierige Phase - vor allem in Bezug auf die Infrastruktur. Ende 1941 standen die Rapperswiler Fussballer ohne eigene Spielstätte da. Der Platz in der Gartenstadt fiel der damaligen Anbauschlacht zum Opfer und wurde zu einem Kartoffelacker umgepflügt. Der Klub war nicht mehr in der Lage, den Pachtzins pünktlich zu begleichen. Die finanzielle Situation hatte sich in der Krisenzeit mitunter verschlechtert, weil den arbeitslosen Mitgliedern der Jahresbeitrag erlassen worden war. Im Gegensatz zu den umliegenden Vereinen wie Uznach oder Wald, die ihre Spielfelder ebenfalls umackern lassen mussten und sich im Zuge dieser Entwicklung gänzlich aus dem Meisterschaftsbetrieb verabschiedeten, biss man sich beim SC Rapperswil unter der Regie des hartnäckigen Präsidenten Max Lattmann durch und hielt einen reduzierten Spielbetrieb aufrecht. Dabei genoss man nach der Rückkehr in die 3. Liga unter anderem für einige Spiele Gastrecht auf dem Sportplatz Seefeld des benachbarten und in der gleichen Liga engagierten FC Rüti.

Im Jahr 1944 erhielt der Verein von der Gemeinde ein Provisorium im Eichriet (dort, wo sich heute die Tennisplätze neben dem Kinderzoo befinden) zur Verfügung gestellt. Damit war der normale Wettspielbetrieb wieder garantiert. 1951 kehrte der SC Rapperswil auf den Sportplatz Gartenstadt zurück. Zur Wiedereröffnung setzte es gegen den FC Schaffhausen aus der Nationalliga B eine 1:4-Niederlage ab.

1. Mannschaft SC Rapperswil 1949. Stehend v.l.n.r.: Willi Rainoni, Willi Kammer (Spielertrainer), Fritz Scherer, Max Lattmann (Präsident), Ernst Kammerer, Walter Schindler, Luigi Rigamonti. Kniend: Eugen Schaz, Emil Schindler, Heiri Bolliger, Flavio Lampugnani, Gustav Battistini.

Aufstiegsmannschaft 1954. Stehend v.l.n.r.: Othmar Zuppiger (Präsident), Hans Schmucki, Paul Weber, Rolf Fehr, Heinz Roth, Erich Nägeli, Ueli Rechsteiner, Ermanno Pagliari, Emil Schindler. Kniend: Ernst Kammerer (Spiko), Alfons Dillier, Fritz Brügger (Trainer), Arnold Leemann, Kurt Federer.

Erstmaliger Aufstieg in die 2. Liga

In der Saison 1951/52 realisierte die erste Mannschaft den erstmaligen Gruppensieg in der 3. Liga. Das darauffolgende Finalspiel gegen Chur ging knapp verloren. Auch die Spielzeit 1952/53 beendete der SCR als Gruppensieger, scheiterte aber in der Aufstiegsentscheidung erneut. Im dritten Anlauf klappte es dann. Nach einem souveränen Gruppensieg in der Saison 1953/54 setzten sich die Rapperswiler in der Aufstiegspoule gegen Vaduz (1:1), Goldach (2:0), Bürglen (6:1) und Chur (2:1) erfolgreich durch. Das finale Auswärtsspiel gegen Chur gewannen die Rosenstädter am 24. Mai 1954 dank eines - in der 83. Minute - mit einem präzisen Flachschuss erfolgreich verwandelten Penaltys des späteren Nationalliga-Spielers Heinz Roth zum 2:1. Die erstmalige Promotion in die 2. Liga war damit unter Dach und Fach (mehr dazu unter Entscheidungsspiele) .

Im Februar 1955 durften die Rapperswiler Fussballer im Zürcher Stadion Letzigrund einmarschieren.

In der Folge etablierte man sich über eine längere Zeitspanne in der höchsten Regionalliga. Anfänglich durften die Rapperswiler noch teilweise in einer Zürcher Gruppe (mit attraktiven Derbys vor vielen Zuschauern gegen Rüti, Uster, Küsnacht und Wetzikon) mittun. Ab Sommer 1959 wurden sie verbandstechnisch dann definitiv der Ostschweiz angegliedert. Dort kämpfte der FCR meist gegen den Abstieg. Am 22. Mai 1960 wurde ein Entscheidungsspiel gegen den drohenden Absturz in die 3. Liga fällig. In diesem sicherte sich das vom ehemaligen NLA-Spieler Paul Rähmi trainierte Team in Wattwil mit einem 3:0-Sieg gegen den FC Buchs den Klassenerhalt.

1. Mannschaft FC Rapperswil 1966. Stehend v.l.n.r.: Heinz Bertelmann, Roland Allemann, Franz Vettiger, Bruno Allenspach, Erich Vögeli (Spielertrainer), Hans Wyrsch, Sergio Soldati. Kniend: Roland Grieder, Karl Schuler, Armin Rüegg, Fridolin Schiesser, Charly Schubiger.

Eine neue Spielstätte zwischen Kinderzoo und Eisstadion

Ab der Saison 1966/67 trugen die Rapperswiler Fussballer ihre Heimspiele zwischen dem fünf Jahre zuvor errichteten Eisstadion und dem Kinderzoo auf dem Sportplatz Lido aus. Die entsprechende Platzeinweihung erfolgte am 14. August 1966 mit einem Freundschaftsspiel der beiden Fanionteams von Rapperswil und Rüti, welches mit einem 4:3-Sieg der Gastgeber endete, und dem Duell Grasshopper-Club Zürich gegen FC St.Gallen. Vor 1800 Zuschauern trennten sich die beiden Nationalliga-Vereine 2:2 unentschieden. Der Schweizer Nationalspieler Rolf Blättler traf für GC zweimal. Bei St. Gallen reihten sich Frei und Müller unter die Torschützen.

Der Umzug liess sich für das Fanionteam des FCR passabel an. Die Saison 1966/67 beendete man auf dem feinen 4. Rang in der 2. Liga. Die folgende Saison mutierte dann allerdings zu einem erbitterten Kampf um den Klassenerhalt. Am 9. Juni 1968 stand ein weiteres Entscheidungsspiel gegen den drohenden Abstieg an. In diesem behielt der FCR vor über 1000 Zuschauern (darunter der legendäre FC-Zürich-Präsident Edy Nägeli sowie Fritz Künzli, der beliebte Topstürmer der Schweizer Nationalmannschaft) in Uznach gegen den FC Glarus mit 2:1 knapp die Oberhand. Das siegbringende Tor erzielte Spielertrainer Erich Vögeli in der 51. Minute. Ein Jahr später konnte der Abwärtstrend nicht mehr aufgehalten werden. Eine schmachvolle 0:8-Niederlage auswärts gegen den FC Chur besiegelte am Auffahrtsdonnerstag 1969, nach exakt 15 Spielzeiten am Stück, den Abschied aus der 2. Liga.

Es dauerte bis im Juni 1972, ehe der Wiederaufstieg gelang. Die Gruppenphase der Saison 1971/72 beendeten die Rapperswiler punktgleich mit Wattwil. Das fällige Entscheidungsspiel um den Sieg in der 3. Liga, Gruppe 5 gewannen sie souverän mit 5:2. Die folgenden Aufstiegsspiele gegen die vier weiteren OFV-Gruppensieger St.Margrethen, Landquart, Fortuna St.Gallen und Bürglen waren an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Mit einem 3:1-Heimsieg im abschliessenden Heimspiel gegen den bereits als Aufsteiger festgestandenen FC Bürglen aus dem Kanton Thurgau erkämpfte sich der FCR schliesslich den zur Promotion berechtigten zweiten Schlussrang in der Aufstiegspoule der Region Ostschweiz (Link zu den Entscheidungsspielen).

1972 - Wiederaufstieg in die 2. Liga. Stehend von links: Toni Eberhard, Heinrich Zwicky, Marcel Fässler, Erwin Hofer, Franco Leemann, Roland Schweizer, Ernst Helbling, Walter Birchmeier, Heinrich Bolliger (Betreuer). Kniend: Ueli Spiess, Fridolin Schiesser, Erwin Schweizer, Hans Meyer, Carlo Losa, Kurt Matile.

Geglücktes Comeback: Rapperswil setzt sich am 27. August 1972 im ersten Spiel nach dem Wiederaufstieg in St.Gallen gegen Brühl II durch. 

Turbulente 1970-er Jahre

Das zweite Gastspiel in der 2. Liga dauerte lediglich drei Spielzeiten. Nach einem 8. und einem sehr guten 5. Schlussrang unter der Leitung des zielstrebigen Trainers Jürgen Zingraf in den Spielzeiten 1972/73 und 1973/74 musste im Mai 1975 - zusammen mit dem Lokalrivalen Uznach - der bittere Wiederabstieg in die 3. Liga in Kauf genommen werden. Bitter deshalb, weil die Relegation der Rapperswiler Fussballer mit einer nominell sehr gut besetzten Mannschaft erfolgte und die erste Saisonhälfte überaus ansprechende Resultate hervorgerufen hatte. Die Rückrunde wurde zum totalen Desaster. Es hatte sich so ziemlich alles gegen den FCR verschworen. 

Geprägt wurden die Siebzigerjahre von unzähligen personellen Wechseln im Kader sowie in der Führungsetage. Der Verein durchlebte eine unruhige Phase. Die Wirren erreichten nach dem Abstieg im Sommer 1975 ihren negativen Höhepunkt. Innert weniger Wochen wechselte die sportliche Leitung gleich dreimal. Zuerst überliess Erich Vögeli seinen Platz dem zu jener Zeit in der Fussball-Szene angesehenen Jugoslawen Zarko Vujovic. Dieser verabschiedete sich nach einer intensiven Vorbereitungsphase kurz vor dem Meisterschaftsstart, weil er einem Angebot des NLB-Ligisten Raron nicht widerstehen konnte. Kurzfristig übernahm der Ungarn Bruno Molnar die Verantwortung. Dieser vermochte die in ihn gesetzten Erwartungen in keiner Weise zu erfüllen. Er wurde im Verlauf vom Herbst durch den Zürcher Meinrad Kälin ersetzt, welcher seinerseits im Verlauf der Saison 1976/77 Franz Thalmann Platz machen musste. Und Thalmann wiederum war seinen Job nach wenigen Spieltagen der Saison 1977/78 wieder los - Spiko-Präsident Werner Birchmeier löste ihn als Trainer ab.

Am 22. Mai 1976 stand ein weiteres Entscheidungsspiel auf dem Programm. Diesmal ging es in Uznach gegen den Lokalrivalen Schmerikon um den 3.-Liga-Gruppensieg. Nach einem dramatischen Spielverlauf lautete das Schlussresultat 4:4. Im Elfmeterschiessen behielten die Schmerkner mit 5:4 das bessere Ende für sich. Auch in der Saison 1977/78 lag der FCRJ bis kurz vor Schluss an der Tabellenspitze. Er büsste aber den Vorsprung ein, so dass es erneut zu einem Entscheidungsspiel um den Gruppensieg kam. In diesem unterlag das Team von Spielertrainer Werner Birchmeier in Wattwil gegen das punktgleiche Winkeln St.Gallen mit 1:3 (mehr dazu unter Entscheidungsspiele).

Nach turbulenten Jahren mit einigen sportlichen Nackenschlägen und zuweilen akuter Gefahr vor dem Absturz in die 4. Liga stiess im Sommer 1980 mit Peter Jucker ein motivierter Jungtrainer zum Verein. Er hatte zuvor die Reserven des FC Stäfa trainiert. Da der vorangegangene Versuch, mit ausschliesslich jungen Spielern den Aufstieg anzupeilen, kläglich gescheitert war, formte Jucker eine homogene Mannschaft mit einer optimalen Mischung aus erfahrenen und jungen Akteuren. Bereits in der ersten Saison unter der neuen Führung gelang der Wiederaufstieg in die 2. Liga. Während der Gruppenphase hatte sich der FCRJ mit dem ambitionierten FC Glarus einen spannenden Zweikampf geliefert. Das vorentscheidende Direktduell um den Gruppensieg entschied er in Glarus mit 3:1 zu seinen Gunsten. In der folgenden Aufstiegsentscheidung setzten sich die Rapperswiler gegen Triesen, nach einem torlosen Unentschieden im Hinspiel, im finalen Rückspiel im Fürstentum Liechtenstein dank zwei späten Toren des im Verlauf der zweiten Halbzeit eingewechselten Miro Smiljanic mit 2:1 durch (Link zu den Entscheidungsspielen). Peter Jucker blieb während sechs Jahren Trainer des Fanionteams. Während dieser Phase etablierte sich der FCRJ als klassischer Mittelfeldverein in der 2. Liga. Daneben bildete er mit Peter Schepull (1983 Wechsel zum Grasshopper Club) und Marcel Stoob (1986 zum FC Zürich transferiert) zwei "Eigengewächse" zu NLA-Fussballern aus und vermochte dadurch für die damalige Zeit stolze Transfererträge in der Grössenordnung von mehreren zehntausend Franken zu erwirtschaften (mehr dazu unter vereinstreue Akteure).  

Sie realisierten 1981 den Wiederaufstieg in die 2. Liga. Stehend von links: Raphael Angehrn, Lillo La Monica, Kurt Zimmermann, Attilio Padovan, Roland Schweizer, Erich Vettiger, Heinz Gmür, Daniel Winiger, Peter Jucker (Trainer), Fredy Derrer (Spiko). Kniend: Carlo Losa, Demetrio Ballabio, Leo Gmür, Bruno Huber, Hans Meyer, Herbert Bless, Miro Smiljanic, Benno Schwyter.

Die Annäherung Richtung 1. Liga

Mitte der Achtzigerjahre gab der Verein erstmals den Aufstieg in die 1. Liga als mittelfristige Zielvorgabe bekannt. Durch die Gründung einer Supportervereinigung standen fortan zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung. Unter der Regie des slowakischen Spielertrainers Josef Bajza erfolgte in der Saison 1986/87 eine Annährung Richtung Tabellenspitze. Der FCRJ spielte lange auf Augenhöhe mit den Spitzenteams Glarus und Balzers. Letztlich fehlte aber die Konstanz, um ganz vorne dabei zu bleiben - es resultierte der 4. Schlussrang. Bajza kündigte frühzeitig seinen Abgang in Richtung Tuggen an, was der Mannschaft für die Endphase der Meisterschaft offensichtlich einen Knick gab. Mit einem neuen Trainer (dem diplomierten Zahnarzt Zdravko Spehar, der zuvor in Einsiedeln und Niederurnen überaus erfolgreich gearbeitet hatte) und einem nach dem Abgang mehrerer Stammkräfte stark verjüngten Team kämpfte der FCRJ in der Folgesaison lange gegen den Abstieg in die 3. Liga.

Im Sommer 1988 übernahm mit Erwin Schweizer ein Einheimischer den Trainerposten. Der vormalige NLA-Fussballer hatte in der Saison zuvor als reaktivierter Libero massgeblichen Anteil daran, dass sich der FCRJ nach einem missratenen Saisonstart den Verbleib in der 2. Liga sichern konnte. Das Gesicht der Mannschaft veränderte sich massiv. Mit Christof Helbling stiess ein Führungsspieler aus Schmerikon dazu. In der Offensive wirbelte der Jugoslawe Milan Setencic, der 1987 aus der zweithöchsten Liga seines Heimatlandes dazugestossen war, und im Tor stand mit Giuseppe Taini ein aufstrebendes, aus dem eigenen Nachwuchs hervorgegangenes Talent, das höhere Ziele verfolgte. Der FCRJ erreichte in der Saison 1988/89 ein Entscheidungsspiel um den Gruppensieg, scheiterte in diesem aber knapp mit 1:2 nach Verlängerung an Staad (mehr dazu unter Entscheidungsspiele Auf-/Abstieg). 

Saison 1988/89 - erstmaliger 2.-Liga-Gruppensieg nach einem in der Verlängerung verlorenen Entscheidungsspiel gegen Staad knapp verpasst. Stehend v.l.: Ruedi Binggeli (Betreuer), Miro Smiljanic, Peter Kleemann, Alex Obrist, Max Marty, Markus Altherr, Christof Helbling, Miro Misic, Erwin Schweizer (Trainer). Kniend: Milan Setencic, Daniel Koch, Giuseppe Taini, Patrick Bernet, Rolf Wegmann, Hanspeter Brunner, Jan Hofstetter, Kurt Felder. (Bild Fredi Fäh)

Mit Hanspeter Bamert gelingt der grosse Wurf

Durch die erfolgreiche Saison 1988/89 angestachelt, hallte der Ruf nach dem Aufstieg in die 1. Liga immer lauter durch Rapperswil-Jona, zumal das Team laufend verstärkt wurde. Unter anderem kehrten "Eigengewächse" wie Kevin Streule oder Marcel Stoob, die zuvor Karriere in der Nationalliga A gemacht hatten, zu ihrem Stammverein zurück. Diese sowie weitere Transfers schürten im Vorfeld der Meisterschaften jeweils eine grosse Erwartungshaltung, doch die Zielvorgaben blieben mal für mal unterfüllt. Der FCRJ musste sich zwischen 1990 und 1994 mit lauter Ehrenplätzen begnügen. Besonders bitter war die Tatsache, dass im Sommer 1994 ausgerechnet dem Lokalrivalen Uznach, mit dem man sich in der 2. Liga ab dessen Wiederaufstieg im Sommer 1990 mehrere hitzige Derby-Schlachten vor jeweils knapp 1000 Zuschauern geliefert hatte, der Sprung in die höchste Amateurklasse gelang.

Die sportliche Stagnation führte im Sommer 1994 zu einem Wechsel auf dem Trainerposten. Nach sechsjähriger Tätigkeit wurde der Vertrag mit Erwin Schweizer nicht erneuert. Mit Hanspeter Bamert übernahm eine bestens ausgewiesene Persönlichkeit die Verantwortung. Bamert hatte zuvor als Spielertrainer seinen Stammverein Tuggen in die Nationalliga B geführt und brachte mit seinen fortschrittlichen Trainingsmethoden den gewünschten Erfolg ins Lido. Er baute konsequent eigene Junioren in die Aktivmannschaft ein und verhalf dem FCRJ auf Anhieb zum Gruppenmeistertitel in der 2. Liga. Im Juni 1995 spielte der FCRJ erstmals in seiner langen Vereinsgeschichte um den Aufstieg in die 1. Liga.  Das Heimspiel gegen Subingen gewann er nach einer feinen Leistung vor 1500 Zuschauern mit 5:3. Zwei Wochen später kam es in Dübendorf zum finalen Aufstiegsduell. Dem FCRJ hätte dabei ein Unentschieden zur Promotion gereicht. Er zog allerdings einen schlechten Tag ein und blieb vor allem in offensiver Hinsicht (der vom FC Zürich und vom FC Basel umworbene Goalgetter Danijel Gvozdenovic war nicht hunderprozentig fit) einiges schuldig. Die Partie ging vor 2300 Zuschauern mit 1:3 verloren (mehr dazu unter Entscheidungsspiele). 

Nach dem Scheitern in der entscheidenden Ausmarchung gegen Dübendorf stiegen die Rapperswiler mit neuer Zuversicht in die Saison 1995/96. Die beiden Rückkehrer Javier Crespo und Ex-Nationalspieler Peter Schepull verliehen der Defensive zusätzliche Stabilität. Lediglich 15 Gegentreffer kassierte der FCRJ in 24 Meisterschaftsspielen. Der 2.-Liga-Wettbewerb wurde nach der Umteilung in die Gruppe 2 zu einem Schaulaufen. Sagenhafte 23 Punkte betrug nach 22 Spieltagen der Vorsprung auf das zweitplatzierte Amriswil. In den folgenden Aufstiegsspielen wartete mit Biasca ein unbequemer Widersacher. Das Hinspiel im Tessin endete nach einem erbitterten Abnützungskampf 1:1. Im Rückspiel trat der FCRJ auf dem heimischen Sportplatz Lido aus einer gesicherten Abwehr und mit viel Geduld auf. Alex Obrist, der bereits das wichtige Auswärtstor erzielt hatte, sorgte mit dem Treffer zum 1:0 in der 55. Minute für etwas Entspannung , ehe Paolo Loffredo in der Nachspielzeit das erlösende 2:0 erzielte (mehr dazu unter Entscheidungsspiele). Unter dem grossen Jubel der Fans wurde die erstmalige Promotion in die höchste Amateurliga gefeiert - 15 Spielzeiten am Stück in der 2. Liga gehörten der Vergangenheit an. Für den scheidenden Präsidenten Pius Stadler bildete der Aufstieg einen krönenden Abschluss der elfjährigen Tätigkeit. Er brachte fortschrittliche Strukturen, klare Abläufe und die erforderliche Ruhe in den Verein und legte damit den Grundstein für die späteren Erfolge in der 1. Liga.

Geschafft: Spieler, Trainer, Vorstand und Fans feiern am 9. Juni 1996 nach dem 2:0 im Rückspiel gegen Biasca den erstmaligen Aufstieg in die 1. Liga. (Bilder Archiv Urs Bannwart)

FCRJ 1996/97 - Premiere in der 1. Liga. Hintere Reihe v.l.: Markus Gröbli (Masseur), Kevin Streule (Assistenztrainer), Danijel Gvozdenovic, Marc Freuler, Beat Steinegger, Reto Looser, Ruedi Binggeli (Betreuer), Marcel Schneider (Präsident), Philipp Kleemann (Junioren-Obmann). Mittlere Reihe: Hanspeter Bamert (Trainer), Peter Schepull, Ralf Helbling, Jürg Egli, Patrick Duschen, Roland Lieberherr, Urs Bannwart, Markus Bachmann, Bruno Huber (Technischer Leiter). Vordere Reihe: Markus Etter, Gérard Buner, Paolo Loffredo, Raphael Gysel, Javier Crespo, Andreas Badertscher, Andy Müller, Alex Obrist, Nino Bajic.

Dritter Schlussrang bei der Premiere

Einen schönen Erfolg durften die Verantwortlichen des FCRJ bereits vor Beginn der ersten Saison in der 1. Liga für sich verbuchen. Der 22-jährige Stürmer Danijel Govzdenovic kehrte nach einem Abstecher zum FC Zürich respektive zu dessen Farmteam FC Baden in die Nationalliga B und einer halben Saison beim FC Tuggen zu seinem Stammverein zurück. Er war in der Folge der Garant für wichtige Tore in der höchsten Amateurspielklasse des Landes. Der FCRJ benötigte eine Liga höher keinerlei Anlaufschwierigkeiten. Stattdessen punktete er von Beginn weg (nach drei Spieltagen und Siegen über Rorschach, Bülach und Glarus grüsste er mit dem Punktemaximum und einem Torverhältnis von 9:1 von der Tabellenspitze) und erfreute seine Zuschauer durch erfrischenden Angriffsfussball. Bis zum letzten Spieltag durfte sich die Mannschaft in der Saison 1996/97 Hoffnungen auf die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Nationalliga B machen. Am Ende resultierte ein beachtlicher 3. Schlussrang in der 1. Liga, Gruppe 4. Die Feuertaufe war mit Bravour bestanden. Dank einer durchdachten Transferpolitik (nebst Rückkehrer Gvozdenovic waren mit Nino Bajic, Ralf Oehri, und Roland Lieberherr drei weitere bestandene Akteure zum Aufsteiger gestossen) konnte es sich Hanspeter Bamert erlauben, fortan ausschliesslich als Trainer tätig zu sein. Er stand nach dem Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse nicht mehr selber auf dem Platz. 

Der FCRJ etablierte sich in den Folgejahren in der 1. Liga, beklagte allerdings im Sommer 1999 den Abgang von Erfolgstrainer Hanspeter Bamert, der sich nach fünf erfolgreichen Jahren einer beruflichen Weiterbildung widmete. Unter seinem Nachfolger Kurt Gehri erreichten die Rapperswiler, trotz der Einteilung in die starke Tessiner Gruppe, zwar nochmals einen feinen 6. Tabellenrang, verpatzten dann aber den Start in die Saison 2000/01 vollends und gerieten in grosse Schieflage. Die Trennung vom in die Kritik geratenen Trainer war nach sechs Niederlagen in Serie und dem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz unausweichlich. Das Comeback von Hanspeter Bamert kam früher als erwartet. Bamert hauchte als interimistischer Trainer der Mannschaft das Erfolgsgen unvermittelt wieder ein und führte den FCRJ letztlich souverän zum Klassenerhalt.

Hanspeter Bamert gab das Traineramt im Sommer 2001 wieder ab. Für ihn wurde der vormalige NLA-Fussballer Mohammed "Simo" Mouidi verpflichtet. Mit ihm kam ein überaus ehrgeiziger Übungsleiter nach Rapperswil-Jona. Er versuchte, etwas mehr Professionalität aufs Lido zu bringen und die Trainingsintensität zu steigern. Allein, es blieb beim Versuch. Die Spieler waren nicht bereit vorbehaltslos mitzuziehen. Immerhin konnte der Ligaerhalt ohne grössere Probleme unter Dach und Fach gebracht werden. Das Engagement des gebürtigen Marokkaners ging nach einer durch Wirren und interner Missverständnisse geprägten Saison zu Ende.  

Sang- und klangloser Abstieg in der Saison 2002/03

Mouidis Nachfolge trat im Sommer 2002 Werner Toggweiler, vormals mehrere Jahre Nachwuchstrainer beim FC Zürich und später unter anderem bei den benachbarten Vereinen Tuggen und Rüti ZH engagiert, an. Unter seiner Führung durchlebte der FCRJ eine desaströse Rückrunde, die im Juni 2003 mit dem sang- und klanglosen Abstieg in die 2. Liga interregional ihren negativen Höhepunkt fand. Obschon von den 48 Erstligisten aufgrund einer Modusänderung nur einer abstieg, traf es den in eine veritable Krise geratenen FCRJ. Die endgültige Entscheidung fiel nach einem im Elfmeterschiessen verloren gegangenen Entscheidungsspiel in Solothurn gegen Nyon. Der bittere Abstieg aus der 1. Liga im Sommer 2003 war das Resultat einer komplett verfehlten Transferpolitik und der Tatsache, dass die Vereinsführung die Entwicklung hin zur Professionalität in der höchsten Amateurklasse verschlafen hatte.

Der Abwärtstrend hielt eine Stufe tiefer in der 2. Liga interregional an. Erwin Schweizer war wenige Tage vor dem Meisterschaftsstart für den abrupt zurückgetretenen Werner Toggweiler auf die Trainerbank zurückgekehrt. Er trieb, zusammen mit Sportchef Cengiz Kayihan, die Rückkehr zur ursprünglichen Philosophie, mit vorwiegend einheimischen Spielern bestehen zu können, voran, wirkte aber zusehends ratlos und stellte sein Amt nach einer Negativserie von lediglich einem Sieg aus elf Meisterschaftspartien im Mai 2004 zur Verfügung. Der FCRJ stand zu jener Zeit auf einem Abstiegsplatz. Ihm drohte der Super-GAU. Ein Absturz in die Anonymität der 2. Liga regional hätte automatisch auch den Abstieg der zweiten Mannschaft in die 3. Liga zur Folge gehabt. Es gab in dieser misslichen Situation nur eine Person, die als Nothelfer in Frage kam: Hanspeter Bamert kehrte für die verbleibenden drei Meisterschaftsspiele zurück (er war seit 2002 im Verein zuerst als U15-Trainer und danach als Verantwortlicher für die zum Nachwuchsteam umfunktionierten Reserven in der 2. Liga tätig) und rettete die verunsicherte Mannschaft auf wundersame Weise aus einer misslichen Situation. Mit einem 3:2-Heimsieg im abschliessenden Heimspiel gegen Kickers Luzern wurde der 12. Tabellenplatz und somit ein Entscheidungsspiel erreicht. Dieses gewann man im aargauischen Brugg gegen den FC Köniz mit 3:1 und sicherte sich damit den Ligaerhalt (Link zu den Entscheidungsspielen). 

Wundersame Rückkehr in die 1. Liga - am 11. Juni 2005 in Rorschach. Stehend von links: Hanspeter Bamert (Trainer), Reto Diem (Co-Trainer), Luca Di Gregorio, Pitchou Lowalo, Willy Schweizer (Masseur), Andrea Clementi, Cengiz Kayihan (Sportchef), Danijel Gvozdenovic, André Palumbo, Markus Gröbli (Masseur), Volfkan Gjokaj, Sandro Vettoretto (verdeckt), René Fritschi, Marc Freuler, Marcel Schneider (Präsident), Philipp Kleemann (Chef Breitensport), Kurt Felder (Vize-Präsident), Rocco Delli Colli (zukünftiger Präsident). Vorne: Sandro Cavegn, Uemit Hioseinoglou, Oliver Buner, Mario Casamento, Giuseppe Taini, Dario Jonjic, Remo Helbling, Pascal Blöchlinger, Hugo Avellaneda, Gérard Buner.

Ein neues Stadion und ein unverhoffter Wiederaufstieg

In der folgenden Saison 2004/05 zog der FCRJ ins neue Schmuckstück im Grünfeld ein. Erstmals konnte er seine Heimspiele in einem richtigen Stadion mit einer 750 Plätze bietenden Zuschauertribüne austragen. Eigentlich erfüllte das Stadion den Anspruch für die Challenge League. Nun sah sich der Verein aber in der 2. Liga interregional wieder. Dort mischte er die Liga mit praktisch unveränderter Mannschaft (mit dem vormaligen NLA-Profi Mario Casamento stiess allerdings ein torgefährlicher Routinier zum Team) und mit Hanspeter Bamert als Cheftrainer sowie dem neu dazugestossenen Co-Trainer Reto Diem auf. Der FCRJ kam sehr gut in die Gänge und führte die Tabelle mit Beginn der Winterpause völlig unerwartet mit acht Zählern Vorsprung auf das zweitplatzierte Rorschach souverän an. Im folgenden Frühjahr durchlebte das junge Team eine kritische Phase. Es liess unnötig Punkte liegen und blieb fünf Spieltage vor Schluss bei der 0:3-Niederlage im Spitzenkampf gegen das immer stärker werdende U21-Team des FC Winterthur chancenlos. Vor dem abschliessenden Spieltag lagen Rapperswil-Jona und Winterthur punktemässig gleichauf. Der FCRJ wies eine um zwei Einheiten bessere Tordifferenz aus.  Es kam zu einem dramatischen Finale, wobei den Rapperswilern das nötige Quentchen Glück zur Seite stand. Winterthur verlor sein letztes Spiel in Balzers 1:2, derweil der FCRJ gegen das im Frühjahr zurückgefallene Rorschach unter erschwerten Bedingungen (Platzverweis in der zweiten Halbzeit und Rückstand bis zehn Minuten vor Schluss) 3:3 unentschieden spielte und somit die Rückkehr in die 1. Liga bewerkstelligte.

17. Mai 2008: Nach dem Unentschieden gegen die SV Schaffhausen feiert die Mannschaft die erstmalige Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur Challenge League.

Der Beginn einer neuen Zeitrechnung

Nachdem sich der FCRJ unter der Leitung von Hanspeter Bamert in seiner ersten Saison nach dem Wiederaufstieg in der 1. Liga behaupten konnte, kam es im Sommer 2006 zum grossen Knall: Der Verein trennte sich trotz weiterlaufendem Vertrag von seinem Erfolgstrainer Hanspeter Bamert und dessen Co-Trainer Reto Diem. Aufgrund von Kommunikationsschwächen seitens der Vereinsführung erfolgte die Verabschiedung von Erfolgstrainer Bamert auf denkbar unschöne Art. Während in der Ära Bamert vorwiegend auf einheimische Spieler gesetzt worden war, erfolgte mit Blick auf die Saison 2006/07 - auf Geheiss des ambitionierten Präsidenten Rocco Delli Colli (er hatte 2005 die Nachfolge von Marcel Schneider angetreten) - ein Paradigmenwechsel. Mit Urs Wolfensberger, der sich zuvor bei den Grasshoppers Zürich und Young Boys Bern einen Namen als erfolgreicher Nachwuchstrainer gemacht hatte, hielt eine professionellere Denkweise Einzug. Der Trainingsumfang wurde markant gesteigert. Neu gab es im Grünfeld auch Morgentrainings im Angebot. Dies lockte mehrere hochbegabte und auf einem hohen Niveau ausgebildete Nachwuchsfussballer aus Zürich und Winterthur zum FCRJ. Für Kontinuität auf dem Spielersektor blieb fortan kein Platz mehr. 

Unter Urs Wolfensberger qualifizierte sich der FC Rapperswil-Jona zwischen 2008 und 2010 dreimal hintereinander für die Aufstiegsspiele zur Challenge League. Er scheiterte aber jeweils an den mental reiferen und abgeklärteren Mannschaften von Nyon, Kriens und Chiasso. Das Scheitern gegen Chiasso erfolgte erst in der finalen Ausmarchung. Nachdem das Hinspiel im Tessin knapp mit 0:1 verloren gegangen war, resultierte im Rückspiel vor der dannzumaligen Rekordkulisse von 2850 Zuschauern im Stadion Grünfeld ein 0:2 (mehr dazu unter Entscheidungsspiele).  Im Schweizer Cup gelang im Herbst 2009 der erstmalige Vorstoss in die Achtelfinals, wo es gegen den höherklassigen FC Biel nach einem spektakulären Auftritt eine unglücklich 3:5-Niederlage nach Verlängerung absetzte.

Allein auf weiter Flur (Juni 2010): Für FCRJ-Goalgetter Vujo Gavric gibt es im entscheidenden Aufstiegsspiel gegen Chiasso kein Durchkommen. (Bild Carlo Stuppia)

Aufstieg in die Promotion League 2014. v.l. Sergio Ventura (Teamchef), Nikolaj Gavric, Vujo Gavric, Arben Gojani, Jakup Jakupov, Palmiro Di Dio, Rafael Ocana, Florian Kamberi, Miro Dabic (hinten), Carlos Da Silva, Stefan Flühmann (Trainer), Klurdian Museshabanaj, Alexander Radovic, Dario Pfyffer, Patrick Leuenberger (Assistenztrainer). Bild Carlo Stuppia/Die Südostschweiz

Mit Stefan Flühmann auf einer Welle des Erfolgs

Nach dem zum dritten Mal verpassten Aufstieg in die Challenge League kam es vor der Saison 2010/11 zu einem weiteren radikalen Umbruch. Das neuformierte Fanionteam erreichte mit einem vierten Platz nochmals ein ansehliches Resultat, verpasste aber die angestrebte Teilnahme an den Aufstiegsspielen sowie später auch die Qualifikation für die neu geschaffene Promotion League. Das Verweilen im bedeutungslosen Tabellenmittelfeld der 1. Liga führte kurz vor Beginn der Rückrunde 2012/13 zur Ablösung von Urs Wolfensberger durch den erfahrenen Vlado Nogic. Dieser wurde beim FCRJ nicht glücklich und trat Mitte September 2014 entnervt von seinem Amt zurück. Mit Stefan Flühmann übernahm in der Folge ein auf diesem Niveau unerfahrener Trainer das Kommando. Er hatte aus seiner Zeit im Amateurbereich bei Wädenswil und Einsiedeln beachtliche Erfolge vorzuweisen und machte sich beim FCRJ vor der Ernennung zum Cheftrainer als Ausbildner im Footeco-Förderprogramm einen Namen. Mit Flühmann begann eine erfolgreiche Zeitrechnung. Zuerst führte der Newcomer die Mannschaft im Eiltempo vom hinteren Tabellenmittelfeld an die Spitze und auf direktem Weg in die Aufstiegsrunde. Am 14. Juni 2014 bewerkstelligte der FCRJ nach zwei hart umkämpften Duellen mit Oberwallis Naters (1:0 und 1:0) sowie einer dramatischen Final-Ausmarchung gegen Düdingen (1:1 und 0:0) den erstmaligen Aufstieg in die Promotion League. Das wichtige Auswärtstor in Düdingen erzielte Enis Ramadani. Der FCRJ durfte sich zudem als 1.-Liga-Meister feiern lassen.

Saison 2014/15 - erstmals in der Promotion League. Hintere Reihe v.l.: Rafael Ocana, Mattia Desole, Gianluca Santillo, Simone Materazzi, Vujo Gavric, Stefan Flühmann (Trainer), Aleksandar Radovic, Lirijet Cakolli, Manuel Petrig, Dario Pfyffer. Mittlere Reihe: Sergio Ventura (Teambetreuer), Christoph Rava (Tenuesponsor), Cristian Pecci, Carlos Da Silva, Nikolaj Gavric, Angelo Stomeo (Torhütertrainer), Patrick Leuenberger (Assistenztrainer), Sandro Stähli (Assistenztrainer), Palmiro Di Dio, Egzon Kllokoqi, Marko Marjanovic, Mario Kreso, Arben Gojani (Sportchef), Rocco Delli Colli (Präsident). Vordere Reihe: Andrea Gasparini (Masseur), Dardan Morina, Tyron Pepperday, Milen Eric, Lorenzo Lo Russo, Diego Yanz, Miroslav Dabic, Jakup Jakupov, Enis Ramadani, Pleurat Hoxhaj, Susanne Derrer (Masseurin).

An die Spitze der Promotion League gestürmt

In der Vorrunde 2014/15 jagte ein Höhepunkt den nächsten. Der FCRJ legte in der Promotion League einen glanzvollen Start mit sieben Siegen aus sieben Spielen hin und überwinterte hinter dem haushohen Liga-Favoriten Neuchâtel Xamax auf dem zweiten Tabellenplatz. Darüber hinaus durften sich die Rapperswiler Fussballer bei zwei hochklassigen Freundschaftsspielen im heimischen Stadion Grünfeld einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Zuerst duellierten sie sich vor 3000 Zuschauern mit dem deutschen Vize-Meister Borussia Dortmund (0:10-Niederlage - mehr dazu unter FCRJ - BVB).Einige Wochen später kam es an gleicher Stätte vor 2600 Zuschauern zu einem Aufeinandertreffen mit der Schweizer Nationalmannschaft. Nach einer torlosen ersten Halbzeit mussten sich die tapferen Gastgeber den Elite-Fussballern des Landes schliesslich mit 0:6 geschlagen geben.

Mit Stefan Flühmann an der Seitenlinie durchlebte der FCRJ eine überaus erfolgreiche Zeitspanne. Nach zwei sechsten Plätzen in der Promotion League wurde das Kader für die Saison 2016/17 nochmals massiv verstärkt. Folgedessen konnte das Saisonziel nur Aufstieg in die Challenge League lauten. Dank einer überragenden Rückrunde sowie dem gleichzeitigen Leistungstief von Konkurrent Kriens setzte die Mannschaft das erklärte Ziel in die Tat um. Dazu hatte man im August 2016 im Schweizer Cup vor der Rekordkulisse von  4350 Zuschauern im Stadion Grünfeld gegen den amtierenden Schweizer Meister FC Basel eine feine Leistung gezeigt und nur knapp mit 0:1 verloren (mehr dazu unter FCRJ - FCB).

Der FCRJ gehörte nach der erfolgreichen Saison 2016/17 und 89 Jahre nach der Vereinsgründung zu den Top 20 auf der Schweizer Fussball-Landkarte. Stefan Flühmann übergab im Sommer 2017 nach dem vielumjubelten Aufstieg das Amt an den bekannten Profi-Trainer Urs Meier (vormals beim FC Zürich in der Super League tätig), wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt und übernahm die neugeschaffene Position des Sportdirektors.

Aufstiegssaison 2016/17. Hintere Reihe v.l.: Julilio Teixeira, Dominik Schwizer, Dardan Morina, Daniele Fischer, Egzon Shabani, Taulant Junuzi, Manuel Kubli, Dennis Salanovic. Mittlere Reihe: Sergio Ventura (Teamchef), Ruedi Binggeli (Betreuer), Thomas Szabo (Goalietrainer), Urs Wolfensberger (Co-Trainer), Stefan Flühmann (Cheftrainer), Michele Pansini (Masseuer), Tom Lehmann (Athletiktrainer), Arben Gojani (Sportchef), Rocco Delli Colli (Präsident). Vordere Reihe: Michele Polverino, Petar Ugljesic, Roman Güntensperger, Stefan Lapsevic, Diego Yanz, Marco Eberhard, Remo Staubli, Jonas Elmer, Carlos Da Silva.

Am Ziel der Träume: Präsident Rocco Delli Colli stemmt am 20. Mai 2017 den Pokal für den Meistertitel in der Promotion League in die Höhe. Bild fcrj.ch

Ein fünfter Schlussrang in der Challenge League...

Die Premiere-Saison in der zweithöchsten Spielklasse überstand der FCRJ mit Bravour. Er erreichte mit der stolzen Ausbeute von 56 Punkten den fünften Schlussrang und durfte von der Swiss Football League Erfolgsprämien von nahezu einer Million Franken einstreichen. Darüber hinaus wirkten sich die Verkäufe der beiden begehrten Offensivkräfte Mychell Chagas (zu Servette Genf) und Dominik Schwizer (zum FC Thun in die Super League) sowie ein weiteres Cup-Duell mit dem FC Basel (unglückliche 1:2-Niederlage vor 3900 Zuschauern) sehr positiv auf die wirtschaftliche Situation der im Jahr 2016 durch den Einbezug des Zürcher Investors Constantin Schenker ins Leben gerufenen Aktiengesellschaft aus. Der Umsatz von AG und Verein wuchs im Verlauf des Challenge-League-Engagements auf 2.8 Millionen Franken an. Parallel dazu stieg auch die Zahl der Mitglieder weiter an und näherte sich der magischen 1000-er Marke. 

Die zweite Saison in der Challenge League liess sich ebenfalls gut an. Nach neun Spieltagen standen dem FCRJ 16 Punkte zu Buche. Mit einem Sieg im Auswärtsspiel gegen Schaffhausen hätte er die Tabellenspitze übernehmen können. Er verlor dieses Spiel aber nach schwacher Leistung mit 0:1, beklagte den verletzungsbedingten Ausfall von Stammtorhüter Diego Yanz und schlitterte danach bis zur Winterpause in eine veritable Krise mit neun sieglosen Spielen (zwei Unentschieden) sowie einer schallenden Ohrfeige in den Achtelfinals des Schweizer Cups gegen Kriens (1:4-Niederlage vor 1680 Zuschauern im Stadion Grünfeld).

... und der bittere Abstieg in der zweiten Saison

Im Zuge der Negativserie verfiel die Vereinsführung vor Beginn der Rückrunde 2018/19 in einen unglaublichen Aktionismus und verpflichtete für die zweite Saisonhälfte zwölf neue Spieler. Die internen Querelen und unverständlichen Personalentscheidungen, wie die stillose Absetzung des langjährigen Betreuers Ruedi Binggeli, gipfelten im März 2019 nach sieben Spielen (zwei Siegen und fünf Niederlagen) in der Entlassung des kompetenten und allseits geschätzten Trainers Urs Meier und dessen Assistenten Daniel Hasler. Sportdirektor Stefan Flühmann kehrte, trotz fehlender Ausbildung, auf die Trainerbank zurück, installierte mit Pedro Silva einen Standhalter mit dem für die Challenge League erforderlichen Diplom, vermochte aber das sinkende Schiff nicht mehr auf Kurs zu bringen. Der FCRJ verlor das vorentscheidende Direktduell in Chiasso mit 1:2 und am letzten Spieltag vor knapp 7000 Zuschauern gegen Aarau auswärts unglücklich mit 0:1 und stieg aufgrund des gleichzeitigen Auswärtssieges von Chiasso (2:1 gegen Wil) aus der Challenge League ab.

Der Abstieg aus der zweithöchsten Spielklasse löste einen weiteren personellen Umbruch in der Mannschaft aus, nachdem bereits während den zwei Spielzeiten in der Challenge League knapp 60 Transfers getätigt worden waren. 15 Kaderspieler verliessen im Sommer 2019 den Verein, darunter der wertvolle Mittelstürmer Aldin Turkes, der in der Saison 2018/19 am zweitmeisten aller Challenge-League-Spieler einnetzte (16 Mal) und für den FCRJ während eineinhalb Jahren in 51 Meisterschafts- und Cupspielen 26 Tore erzielt hatte, sowie der Verteidigungsminister Denis Simani und die flinke Offensivkraft Egzon Shabani. 

Untröstlich: FCRJ-Abwehrchef Denis Simani versteckt nach der Niederlage in Aarau sein Gesicht (rechts Jérôme Thiesson).

Im Schweizer Cup unter den letzten acht Teams

Die Saison eins nach dem bitteren Abstieg aus der Challenge League stand im Zeichen des Neuaufbaus. Trotz augenfälliger Sprachbarriere sprach die Vereinsleitung dem Portugiesen Pedro Silva das Vertrauen aus und beförderte ihn zum Cheftrainer. Die Verpflichtung einer Reihe bestandener Fussballern aus dem Lager der Professionals, wie den robusten französischen Mittelstürmer Jordan Gele, die langjährigen Super-League-Akteure Maurice Brunner und Denis Markaj sowie den bulligen Supertechniker Eusebio Bancessi aus Guinea-Bissau, nährten die Hoffnungen auf den angestrebten sofortigen Wiederaufstieg. Der Start in die Saison 2019/20 fiel mit einem Sieg aus den ersten fünf Meisterschaftsspielen der Promotion League harzig aus. Im Verlauf der Vorrunde fand sich das neuformierte Team - zumindest resultatmässig - besser zurecht und überwinterte mit sieben Zählern Rückstand auf den souveränen Tabellenführer Yverdon auf dem zweiten Tabellenplatz. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus wurde die Meisterschaft im Frühjahr 2020 abgebrochen. Der FCRJ legte zusammen mit Yverdon Rekurs gegen den Verbandsentscheid ein und plädierte für eine Fortsetzung der Saison, hatte damit allerdings vor dem Gerichtshof TAS (Tribunal Arbitral du Sport) erwartungsgemäss keine Chance.

Für Eusebio Bancessi vom FCRJ gibt es im Cupspiel gegen den FC Sion kein Durchkommen. 

Im Schweizer Cup profitierte der FCRJ von einem schier unglaublichen Losglück. Er stiess dank einem Freilos und drei Auswärtssiegen über die unterklassigen Mannschaften Muri (3:2), Bassecourt (3:0) und Bulle (3:2) erstmals in der langen Vereinsgeschichte in die Viertelfinals vor, wo er nach einer neunmonatigen Wettkampfpause, hervorgerufen durch die Coronapandemie, am 6. August 2020 im heimischen Stadion Grünfeld den FC Sion empfing. Die unterklassigen Rapperswiler forderten dabei dem 13-fachen Cup-Holder alles ab und verloren unglücklich mit 1:2 (0:2). 

Durch die Corona-Pandemie ausgebremst

Die mit leichter Verzögerung gestartete Meisterschaft 2020/21 begann für den FCRJ enttäuschend. Als selbsternannter Aufstiegsfavorit tat er sich in den ersten Spielen überaus schwer. Nach lediglich einem Sieg aus fünf Partien kam es zum längst fälligen Wechsel auf der Trainerposition. Der in Rapperswil-Jona nie richtig heimisch gewordene Portugiese Pedro Silva wurde durch den erst 35-jährigen Brunello Iacopetta, der zuvor das U21-Team des FC St.Gallen trainierte, ersetzt. Mit Iacopetta an der Seitenlinie fand man vorübergehend in die Erfolgsspur zurück, zumal sich der im Verlauf der Vorrunde verpflichtete brasilianische Stürmer Silvio als Torgarant entpuppte und in sieben Spielen sechs Tore erzielte. 

Der durch die anhaltende Corona-Pandemie abermals erforderliche Meisterschaftsunterbruch in der Promotion League bekam der Mannschaft nicht gut, zumal im Winter der Abgang von Goalgetter Silvio (er nahm eine neue Herausforderung beim FC Wil in der Challenge League) zu beklagen war. Zwar gelang bei der Wiederaufnahme der Meisterschaft im April 2021 ein Heimsieg über das abgeschlagene Tabellenschlusslicht Münsingen, doch mit fünf sieglosen Partien in Folge verbaute sich der mit grossen Ambitionen in den zweiten (verkürzten) Teil der Meisterschaft gestartete FCRJ die letzten Hoffnungen auf die angestrebte Rückkehr in die Challenge League. 

Ergänzende Links:

Statistik von Saison zu Saison - seit 1980

Diverse Mannschaftsbilder FCRJ I

Zeitungsbericht zum 50-Jahr-Jubiläum des Vereins
2003 - die grösste Krise der Klubgeschichte
Ambitionierter FCRJ im Fokus der Westschweizer Medien
Ein Nährboden für erfolgreiche Torhüter
Beim FCRJ regiert das Leistungsdenken
Ein Stürmerstar aus der Serie A
Der 66. Verein in der Challenge League (vormalige Nationalliga B)
Der Abstieg wird in Aarau besiegelt
Interview mit Stefan Flühmann nach dem Abstieg
Bericht und Stimmen zum Cup-Match gegen Sion
Als die Zeichen auf Abstieg standen
Kommentar zum FCRJ im Fussballmagazin Eurosoccer
FCRJ besiegt den Rekordmeister

Brunello Iacopetta - ein junger Trainer mit Ambitionen

BACK TO TOP